Radiobeiträge über Gerald Höfer

Thüringer Autoren im Gespräch - Teil 1
Radiosendung von Katja Schubach mit Gerald Höfer.

Gesendet im Frühjahr 2008 in Radio OKJ, Radio FUNKWERK.

 

Untergang der DDR
Ein Bergbaustädtchen geht auf die Barrikaden
Von Henry Bernhard

Deutschlandradio Kultur, 17.03.2015

 

 

Die Presse über Gerald Höfer

♦ Ursula Dauderstädt: "Ich habe die Straße zur Heimat genommen"
In: "ich schreibe" 1/89, S. 64-66, Zentralhaus-Publikation, Leipzig, 1988

♦ Junge Lyriker wurden mit Becher-Diplomen geehrt.
"Als Förderpreis des Kulturbundes der DDR für neue Poesie wurden am Mittwoch in Berlin Johannes-R.-Becher-Diplome an drei junge Autoren vergeben. Die Auszeichnungen erhielten die Studentinnen Uta Ackermann und Gudula Ziemer aus Leipzig sowie der Lehrer Gerald Höfer aus Sondershausen. ..."
In Junge Welt, 13.10.1989, Neues Deutschland, 12.10.1989

 

♦ Ich bin viel zu leicht zu treffen
Ein Johannes-R.-Becher-Diplom ging als Förderpreis des Kultrbundes der DDR für neue Poesie küzlich auch an den Sondershäuser Lyriker Gerald Höfer [...] Gerald Höfer, Jahrgang 1960, ist pädagogischer Mitarbeiter in Sondershausen. Zur Zeit absolviert er ein Fernstudium am Institut für Literatur in Leipzig. "Alles in mir drängt nach Veränderung", meint er, "mit der Analyse bestehender Verhältnisse in meinen Versen möchte ich Anstösse zu eigenem Handeln geben." Die kleine Auswahl von Gedichten Gerald Höfers entnahmen wir der Anthologie "Fahrtwind".
In: Das Volk, 30.10.1989



♦ Peter Blochwitz "bloß"
"Diese Bilder... Sie lassen sich nicht so einfach umblättern. Zu lesen geben sie, die intime Handschrift ist nicht auszulesen. Eine leise Sprache, schwermütig: Immer fahren die Schiffe voraus und sinken auf Grund. Dies sind Bilder aus einem Foto-Lyrik-Band, der demnächst im Forum Verlag erscheint und sich bloß "bloß" nennt. Bloß, nackt. Bloß ein bißchen. Bloß: ein bißchen Widerspruch. Bloß so. Nur so. Ja, von allem etwas ist zu finden in diesem Buch... Dreitausend mal Sätze wie "Ein Leben weit schwimmt der Ertrinkende auf sich zu." Manchem ist's gewiß zu melancholisch. Mir nicht."
In "Lausitzer Rundschau", 26.05.1990

♦ Ralph Grüneberger: "Mehr als nur ein Buch"
"... Die Büchertische bersten. Die Hochglanzumschläge wetteifern mit den Titelbildern der Videofilme. Buchlageristen werfen den angestaubten Bestand auf die Straße. In diese Situation stellt der junge Forum Verlag Leipzig wiederum ein aufsehenerregendes Werk, das vom bloßen Untertitel her schon den Besteller-Mut der Lesestoffhändler erfordert. Doch lohnt hier der Verlag dem Buchfreund und -händler die Treue. Denn "bloß" ist nicht bloß ein Marktartikel, es ist eine Erscheinung, ein, wie es der Name sagt, großes Stück BELLEtristik.
Außerdem ist "bloß" ein Buch, das sich von herkömmlichen Lyrik- oder auch Foto-Text-Bänden zu unterscheiden weiß.
Allein, daß die drei Autoren das Ganze als ein gemeinsames Unternehmen darstellen, kann als Zeichen für eine neue Art des Sprechens gelten. Autorisiert wird damit weniger die eigene Sprechweise als vielmehr das Sichaussprechen einer Generation, die nach 30 oder 40 Jahren DDR-Ghetto geprägt ist von "gleichBildung" und "ausgewogener sozialsicherheit". Eine Biografie-Schablone, die die Autorin und die beiden Autoren auf die wenig abenteuerlichen DDR-Lebenslinien verzichten ließ. Auf der Umschlagseite sind lediglich Geburtsjahr und -ort angegeben, wie auch der Hinweis auf die gegenwärtigen Wohn- und Ausgangspunkte.
Daß das Buch von einem Rezensenten kaum gültig in ein paar Sätzen zu beschreiben ist, sehe ich als Vorzug dieses Titels an. Ebenso den Umstand, daß sich beim Wiederlesen am Ende doch das eine oder andere Gedicht aus der arrangierten Textfolge herauslöst. Gleiches ist auch für einige der mehr oder weniger inszenierten, mit Texten collagierten und im einzelnen ebenfalls unautorisierten Fotografien zu sagen..."
In Leipziger Volkszeitung, 19.08.1990

 

♦ ...nichts ist verloren! "bloß"
ein Buch mit düsterer Foto-Lyrik, die in keine Schublade paßt.

"bloß" - das ist nicht bloß ein mit Fotoillustrationen versehenes Gedichtbändchen. In dem so schlicht betitelten Buch, das dieser Tage im Leipziger Forum Verlag erscheint, verschmelzen Texte und Bilder sozusagen zu einer Einheit. Lyrik, die einfach in keine Schublade passen will, von den Literaturinstitut-Absolventen Gerald Höfer aus Sondershausen und Karlheinz Sydoruk aus Cottbus traf genau den Nerv der extravaganten freiberuflich tätigen Erfurter Fotografin Andrea Schicker. Skurrile, teilweise recht depressive und abschreckende Bilder lichten die gegenwärtig desolate Situation in dieser Gesellschaft ab, und mit aggressiven Textbruchstücken beschrieben und umrahmt, zeichnen sie eine ziehmlich düstere Zukunftsvision.
In den immer wiederkehrenden, immer wieder von Neuem aufgegriffenen sich allmählich steigernden Themen Landschaft, Akt, Alltag, Abstraktheit wird dem Betrachter nichts erspart, wird bloßgelegt und entblößt, ohne dabei den Anspruch zu erwecken, alles auszusprechen. "bloß" läßt unheimlch viel offen, hinterläßt Gefühle, die von innen heraus zu verstehen versuchen, die sich aber nicht so einfach beschreiben lassen.
Nicht nur bloße Sprachlosigkeit, nicht bloß Bedrückendes bleibt nach der Auseinandersetzung mit derart ungewohnter Text-Bild-Komposition, sondern auch reichlich Ermutigung. Bei aller schonungslosen Anklage, bei aller ernüchternder Bestandsaufnahme einer hoffnungslos verkommenen, gewalttätigen Menschheit, einer völlig aus dem Gleichgewicht gebrachten Natur scheint doch eine Hoffnung zu bestehen: "...nichts ist verloren solange wir da sind"!
In: Thüringen Journal, 07/1990

 

♦ S. Stadler: "Dylon in ausgewogener Sozialsicherheit"
Couragierter Lyrik-Foto-Band im Forum Verlag

Nach sechs politischen Sachbüchern hat der junge Leipziger Forum Verlag eine Lyrik-Collage veröffentlicht, die nicht nur in gegenwärtigen Zeiten zögerlichen Leseverhaltens als verlegerisch couragiert zu bezeichnen ist. Bei der
Buchpremiere von "bloß" vergangenen Dienstag im Leipziger Max- Klinger-Kunstsalon sprach denn Grit Hartmann vom Forum Verlag auch davon, dass man zwar sofort von dem Manuskript überzeugt gewesen sei, doch zwischen Wollen und finanziellem Können schwankte. Schließlich sei die Entscheidung, "koste es, was es wolle", für das Buch gefallen.
"bloß" in einer Auflage von 3000 Stück gedruckt, von denen 150 Exemplare nummeriert und handsigniert sind und ein Extra-Blatt zum Rahmen bieten, wird es nicht leicht haben in Buchhandlungen, die im Augenblick auf Nummer sicher gehen. Denn gewagt ist das Unternehmen und der Mitteldeutsche Verlag in Halle, dem das Manuskript im Herbst vergangenen Jahres zuerst angeboten wurde, lehnte es dann sofort auch ungesehen ab.
Der 30-jährige Gerald Höfer aus Sondershausen und der zehn Jahre ältere Karlheinz Sydoruk, der in Cottbus lebt,
lernten sich als Studenten im Leipziger Literaturinstitut kennen. Die Texte, die sie zu "bloß" montierten, waren Teil
ihrer Abschlußarbeit am Institut. Eher zufällig stieß die 32-jährige Fotografin Andrea Schicker zu ihnen, die die
"jungen Autoren", die offensichtlich in die Wende passten, für die Zeitschrift "Neues Leben" porträtieren sollte. Aus
den Foto-Termin entwickelte sich die Zusammenarbeit für den nun erschienenen Band.
Tatsächlich sucht er, wie vom Forum Verlag unterstellt, in der DDR seinesgleichen. In seiner Machart, in und um die
spröden Fotografien Andrea Schickers die Texte handschriftlich einzuschreiben oder Schreibmaschinenschnipsel
einzukleben, ist er so unkonventionell wie der herbe Gestus der Lyrik selbst. Die Autoren haben nichts getan um ihre Gedichte voneinander abzusetzen. Gerade das Zusammengehen zweier doch unterschiedlicher Stimmen mit dem fotografischen Blick war ihr Ziel.
Man könnte das Buch als eine Art lyrischen Lebenslauf einer in der DDR verlorenen Generation bezeichnen, der von der Kindheit mit "Filmspiegel"-Fetzen und abgeforderten Protestbriefen an Nixon im fernen "Weißen Haus" zur Blues-
Generation im Windschatten des Prager Frühlings reicht. "von jeans natürlich keine Spur" wie es in "Nachwort? Essay!" heißt, "meine alten hockten in der partei. waren sie nicht zu hause, drehte ich das radio hoch, riß alle fenster auf und holte mir einen runter".
Bob Dylan erlebt man bereits sarkastisch in ausgewogener Sozialsicherheit. Der Skeptizismus, der die "flucht nach
innen, feigheit nach außen" begleitet, kann durch die Wende nicht gewendet werden. Zwar ist es der Vater, der im
Sessel sitzt wie "zerknülltes Pergamentpapier", doch ist auch die eigene Jugend bereits vorbei.
"gegen zwei uhr nachts verlöschen bei uns manchmal die laternen" ist das bitter komische Resümee eines
Weltempfindens, das in Mauern sozial behütet wurde.
Das eigenwillige Kunstbuch, das nach Sydoruks Worten gerade "auch durch seine Unvollkommenheit lebt", wurde erstmals im Juli bei einer Veranstaltung im Schloß von Sondershausen vorgestellt. Die drei Autoren haben eine Ausstellung zu ihrem Werk arrangiert, die es in großformatigen Seitenabzügen präsentiert..."
In: Thüringer Tagespost und Sächsische Tagespost, 31.08.1990

 

♦ Andreas Nowotny zu "bloß":
"... Insbesondere dann, wenn Text und Fotografie im Buch eine Symbiose eingehen, fällt es schwer, beide Bestandteile des Bandes genrespezifisch einzuordnen oder eine Gesamteinschätzung zu treffen. Noch schwieriger wird es, wenn sich wie im Buch "bloß" aus dem Forum Verlag, die Fotografien dem Versuch entziehen, sie zumin- dest terminologisch auf einen Nenner zu bringen.
Daher sei dem Leser an dieser Stelle "bloß" empfohlen, diesen Band in den Buchhandlungen nicht zu übersehen, da die in ihm enthaltene ungewöhnliche Bildsprache weitaus mehr Assoziationen wecken kann, als viele konventionelle Fotobücher."
In: Fotografie, Februar 1991

 

♦ Maike Schroeter: "So stark schockieren, daß man die Gefühle der Menschen trifft", Interview

 

Ich habe in ihrem Buch "bloß" das Gedicht "Dichtung muß töten" gelesen. Entspricht das ihrer Einstellung zur Lyrik?
... Ich kann mich damit voll identifizieren. Man muß so schockieren, daß man die Gefühle der Menschen trifft.
Warum?
In der heutigen Zeit, kann man mit Blümchen nicht viel sagen. Es macht keinen Sinn, eine schöne Welt vorzugaukeln. Man muß schon die Sprache der Zeit sprechen, um die Leute in ihrem Schlaf aufzuschrecken.
Sie provozieren mit ihren Themen?
Mir begegnen Dinge, mit denen ich nicht fertig werde. Die versuche ich aufzuschreiben. Es gibt Leute, die gehen in die Kneipe und saufen. Wenn ich wütend bin, dann schreibe ich.
... Wie verträgt sich das Gedichteschreiben mit ihrem Beruf?
Gar nicht. Wenn man Angestellter ist, dann durfte man es eigentlich nicht tun, oder man müßte lügen. Wenn man die Wahrheit sagt, dann wird man seinem Beruf nicht gerecht, und wenn man lügt, wird man den Gedichten nicht gerecht...
In: Thüringer Allgemeine, 13.10.1992

 

♦Petra Brust: "Schwarze Monologe aus der Provinz. Zum Kunstbuch 'ich habe die hoffnung längst aufgegeben - schwarze monologe'"
Beim Lesen des Titels stellt sich die Frage, was jemand, der die Hoffnung längst aufgegeben hat, zu schreiben habe; außer mir vielleicht noch einmal die Sinnlosigkeit meines Daseins klar zu machen. [...] Man taucht leicht in die ersten Zeilen ein und ist auch sehr schnell - zu schnell - am Ende, da weder Interpunktion noch Großbuchstaben den Lesefluß stocken lassen. Dem Autor der schwarzen Monologe ist der Gleichklang von Form und Inhalt seiner Texte wichtig und beinahe durchgehend geglückt. Meine Befürchtungen, nach der Lektüre depressiv in den Sessel zu sinken, sah ich nicht bestätigt. Ganz anders. Hier begegnet uns ein sehr bodenständiger Autor, der sich am Alltag in der Provinz reibt, der Eindrücke dort wahrnimmt, wo er selbst lebt. Scheinbar Belangloses wird literarisch verarbeitet und kritisch reflektiert. Im Gedicht Turmspringerin schafft er mühelos den Spagat zwischen alten Kyffhäuser-Sagen, DDR-Geschichte und seiner Befindlichkeit im heutigen Deutschland. [...] Die Geschichten seiner gescheiterten Helden werden viel zu kraftvoll berichtet, als dass man wirklich glauben mag, dass er die Hoffnung aufgegeben habe. Einige, fast aggressive Ausdrücke verraten eine starke Sehnsucht nach Sinn und Action. Der Schein trügt. Barbara Rossa setzt sich nicht nur mit seinem unmittelbaren Lebensumfeld auseinander, sondern betritt auch ein thematisch neues Feld - die Auseinandersetzung mit dem Tod. In unserer abendländischen Gesellschaft ist der Tod schon stark aus dem alltäglichen Bewußtsein verdrängt worden, und es kann schon als mutig bezeichnet werden, sich heute literarisch damit zu beschäftigen. Missverständnisse und Ablehnung werden wohl eher zu ernten sein, als die Einsicht, dass das Sterben untrennbar zum Leben gehört.

In "Fliegende Blätter", Oktober 2000

 

♦ Andrea Göbel: "Orkus Herbstnächte"
"... The Fair Sex und die Untoten folgten auf dem Fuß, während im Inneren des Schlosses als kultureller Leckerbissen zum zweiten Mal an diesem Tag zur Lesung von "Barbara Rossa: Ich Habe Die Hoffnung Längst Aufgegeben" mit Videountermalung geladen wurde. Der Publikumszuspruch war so groß, dass auch im zweiten Durchgang fast keiner der einhundert Sitzplätze unbesetzt blieb. ..."
In: German Rock News. Sonderausgabe Festivals Nr. 2, Januar 2002

 

♦ Ingolf Gläser: "Außergewöhnliche Geschichte eines Mordes"

Ist dieses Buch ein Skandal? Und wer ist Barbara Rossa? Der Prosaband "Sophie" kommt am 8. Dezember in die Buchläden. Hinter dem Buchtitel verbirgt sich eine Sammlung von drei Kurzgeschichten. In "Die Kassette" geht es um die letzten Stunden im Leben eines 15-jährigen Gymnasiasten. Unschwer erkennt der Leser den realen Bezug zum so genannten "Satansmord" in Sondershausen. In der Geschichte wird poetisch des Opfers gedacht. Die Novelle "Siebzehnte Nachtwache" geht der Frage auf den Grund, ob sich Parallelen zwischen den Ereignissen im Herbst 1989 und 1789 herstellen lassen. Als Gesprächspartner aus dem Jenseits entsteigt der Philosoph Johann Karl Wezel. Die Titelgeschichte "Sophie" ist eine Collage aus Thriller, Phantasy und Märchen. Angereichert wird das Buch mit der Reportage "Das Cafe Pille Experiment". Barbara Rossa - ein Pseudonym - ist der Name eines interdisziplinären Kunstprojekts. Barbara Rossa liest am 28. November um 19.30 Uhr im nagelneuen Vortragssaal der Barbarossahöhle Rottleben Ausschnitte aus dem neuesten Werk - musikalisch und bildlich gut in Szene gesetzt..."
In: Thüringer Allgemeine, 23.11.2002

 

♦ Christian Schönwetter: "Freiheit in Schlupflöchern entdeckt"
Endlich liegt nun eine aktuelle Veröffentlichung von Barbara Rossa, d.i. Autor Gerald und Gestalter Martin Höfer, vor, nachdem Barbara Rossa in Form von Lesungen bereits seit längerer Zeit auf diversen Veranstaltungen live zu erleben war, zuletzt etwa Wave-Gotik-Treffen 2003. Wie schon der Untertitel verrät, enthält der Band "Sophie" drei Erzählungen und eine Reportage, die so etwas wie einen Rückblick über die letzten zwanzig Schaffensjahre des Autoren bieten.

Alle drei Erzählungen zeigen einen bizarren Realismus, der nicht selten Ausflüge ins Phantastische unternimmt, und dabei immer sozial- und gegenwartskritisch ist. In allen dreien klingt immer wieder der charakteristische, ein wenig kurzatmige Stil Höfers an, der immer mahnend, zuweilen auch sehr unterhaltsam sein kann.

Die Erste Geschichte "Die Kassette" berichtet vom "Satansmord von Sondershausen", der sich in ummittelbarer Umgebung des Autoren ereignete. Wie durch eine versteckte Kamera werden die letzten Stunden des Opfers, Falko, und sein Zusammentreffen mit der extremen Schul-Band "ABSURD", geschildert. Besonderes Anliegen des Autors ist es sichtlich, das Geschehen real und plastisch erscheinen zu lassen, ohne je dabei das menschliche Auge auf das Opfer zu verlieren. Zentralmotive sind Angst und Unverständnis des Opfers. Obwohl es keine Zeugen der Tat gab, versucht diese Geschichte ein Zeugnis abzulegen und wirft ein subtiles Licht auf die Lage eines jungen Mannes, der ahnt, dass er bald sterben wird.

Es folgt "Siebzehnte Nachtwache", eine Annäherung an das Schicksal Johann Karl Wezels (1747 - 1819), dem Autor des "Belphegor", der wie Höfer in Sondershausen, Thüringen, lebte.
Die Geschichte spielt sich in eben jenem Ort in der Gegenwart ab, und entspinnt sich im Rahmen der Fiktion, Wezel könnte heute noch einmal sein vernichtendes Urteil über seine Mitbürger abgeben. Wezel wurde von seinen Zeitgenossen für wahnsinnig gehalten, wegen seiner Lust an künstlerischer Provokation und seiner Unfähigkeit, sich ins bürgerliche Leben des achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts einzugliedern.
Die leidvollen Erfahrungen des missverstandenen Künstlers werden so in die Gegenwart transponiert, in der sie nichts an Scharfsinn verloren haben: noch immer regieren allerorts Kleingeistigkeit und offene Feindseligkeit gegenüber dem kreativen, unangepassten Geist, der verzweifelt versucht, andere Wege des Denkens und Handelns zu erforschen.

In "Sophie" schließlich beschäftigt Höfer sich mit Eigenarten seiner Heimat. Eine Phantastische Geschichte, die in der zerrissenen Realität Nordthüringens angesiedelt ist: einerseits rufen hügeliges Waldland und finstere Höhlen dem Wanderer noch immer alte Sagen ins Gedächtnis, anderseits herrschen allerorts bäuerliche Einfachheit und glatzen- und bierflaschenbewehrte Beschränktheit.
Höfer wagt es, den Bogen zu schlagen zwischen diesem teils tristen Alltag, Naturbeschreibung und einer phantastischen Wanderung. Fast unmerklich schmuggelt er auch eine Reminiszenz an Novalis' "Heinrich von Ofterdingen" ein, die am Ende aber offensichtlich wird und Teil der Geschichte, so wie die Naturromantik des Novalis ewiger Teil dieser Landschaft sein wird.

Den Band rundet die Reportage "Das Cafe Pille Experiment" ab. Darin betreibt Höfer - ein wenig wehmütige - DDR-Folklore, indem er erinnert, wie schwer, und doch wie leicht eigentlich, es war, andere Wege zu gehen als das System es vorschrieb. Mitte der 80er waren freie Künstler nicht geduldet und ein privater Auftrittsort wie das "Cafe Pille" rief sogar die Staatssicherheit auf den Plan, obgleich laut Höfer doch nur "leicht subversives" Programm geboten wurde.
Höfer blickt zurück auf die Bemühungen, sich geistig von staatlichen Vorgaben zu emanzipieren und erinnert sich an so manche Mitstreiter und Widersacher jener Zeit, in der sich die Bewegungen von 1989 wohl schon abzeichneten. Viele hat er heute aus den Augen verloren, sie sind abgetaucht, als wäre die Wende ein Krieg, in dem Menschen verschwinden. Andere kündigten die Freundschaft weil sie nun mehr am Profit des neuen Marktes interessiert waren, wieder andere tauchten überraschend in den Akten der StaSi als IMs auf.

Zweifellos ein Zeitdokument an jene Gesellschaft, deren Menschen einerseits staatlich behütet, andererseits stets bedroht wurden; zugleich aber ein gültiger Aufruf, sich nie anzupassen, immer die "Schlupflöcher" des Systems ausfindig zu machen und hindurch die zensierte Freiheit des Denkens wiederzuerlangen.

Passend dazu fügt Höfer noch ein Nachwort an, in dem er seinen persönlichen Werdegang als Autor von 1983 bis 2003 erhellt. Er gibt Erfahrungen aus seiner wechselhaften Karriere als Schreibender preis und warnt junge Autoren nochmals eindringlich vor der Anpassung: denn gleich ob es totalitäre Drohungen oder marktwirtschaftliche Verlockungen sind, die den intelligenten Menschen bewegen sich anzugleichen, als Autor wird man ihn nicht mehr ernstnehmen können, denn der Autor ist ein aus sich heraus Schaffender. dabei geht es immer auch um die freie Auseinandersetzung mit eigenen inneren Rissen und die kritische Bewertung der gesesllschaftlich-staatlichen Umgebung.
Auch Vorurteile gegenüber "jugendgefährdenden" Musikrichtungen rechnet er ab, mit der ebenso simplen, aber weisen Feststellung, dass die Entmenschlichung einzelner Täter immer in ihrer Psyche und ihrem menschlichen Enttäuschungen zu finden sind, nicht in den provokanten Werken der Künstler mit denen sie sich identifizieren.

Abschließend kann man feststellen, dass die Mischung dieses Bandes ausgewogen ist, nie zuviel Zeigefinger oder zuviel Unterhaltung bietet, selten lehrerhaft wird, sondern sich mit Menschen und ihrer spezifischen Umgebung auseinandersetzt.
Er ist ein Lokalautor im besten Sinne, denn er versteht offenbar den Geist seiner Heimat und die Spannung zwischen Naturromantik und Kleinbürgerlichkeit, zwischen deutscher Vergangenheit und dem Wandel Deutsches Reich - DDR - BRD, der vielerorts noch nicht vollzogen ist, ja eher einen Rückschritt ins braun-gefärbte oder resignative Abkapseln denn ein neues soziales Denken gebracht hat, das unser wiedervereinigtes Land verändern könnte.
Dieses Buch versucht natürlich auch, die DDR und ihren plötzlichen Untergang zu verarbeiten, denn er veränderte diese Landschaften und riss Löcher, die auch ein Autor erst einmal verarbeiten muss. So erscheint dieser Band auch erst im Jahr 2002 und nicht, wie vielleicht verdient, schon viel eher.
Höfer belächelt und betrauert die Menschen in seiner Umgebung, ohne sie bloßzustellen. Obwohl die tragischen Helden wie Wezel und der junge Falko dem Leser leid tun, muss man über die halbstarken Neonazis und pseudosatanischen Mörder und deren Antriebe eher lächeln. Trotz aller Bitterkeit findet Höfer immer auch ein oder zwei amüsierte Blicke auf seine Welt.
Insbesondere setzt Höfer seine Szenen immer in ein Licht der höheren Intention. Es handelt sich nie um reine Alltagsbeschreibungen, sondern bemüht sich stets um allgemeingültige Aussagen. Insbesondere, wo sie scharf Selbstzufriedenheit und die Verurteilung Andersdenkender anprangern, machen ihn seine Worte zu einem relevanten Autoren, der die Phantasie sparsam einsetzt und nie die manchmal harte Wirklichkeit aus den Augen verliert.
In: Thüringer Allgemeine, 01.10.2003 & Abyss.Abgrund.Almanch, 2004

 

♦ Oliver Baglieri: "Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts"
Barbara Rossa - Synonym für ein multimediales Projekt des Autors Gerald Höfer und des Mediendesigners Martin Höfer - gehört längst zu den Klassikern neuer deutscher Literatur - und dies nicht nur in Szenekreisen. Unbedingt empfehlenswert!
In: Sensual, Oktober 2003

 

♦ Sonja Schwarzkopf: "Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts"
Barbara Rossa - Synonym für ein 1998 entstandenes multimediales Projekt des Autors Gerald Höfer und des Mediendesigners Martin Höfer - gehört längst zu den Klassikern neuer deutscher Literatur. Mit Zwischen mir nichts und dir nichts ist Barbara Rossa ein Gedichtband von beeindruckendem Tiefgang gelungen. Nicht selten hat man das Gefühl, als würde man beim Lesen in einen Spiegel schauen. Schonungslos wird die eigene Vergänglichkeit vor Augen geführt, gepaart mit Ängsten und Sehnsüchten, den manchmal müßigen Alltagswahnsinn bewältigen zu können. Mitunter untermalen verborgene Wahrheiten und verwirrende Gedankensprünge die exzentrische Darstellung dunkler Abgründe. Was Barbara Rossa hier an Gedichten zusammengestellt hat, lässt eine anspruchsvolle, oft melancholische Atmosphäre mit einer aggressiven Note, die spöttisch das Biedere straft, entstehen. Ruhelos wandern die Gedanken, um sich schließlich in Texten zu manifestieren, die mitreißen an Orte voller Geschehnisse, Erfahrungen und Erinnerungen. Wem diese lyrischen Texte liegen, dem kann ich diese Sammlung wärmstens empfehlen.

In: Orkus 4, 2004

 

♦ Christian Kapke: "Lichtreigen 7. Altes Gut, Jena"
Mercydesign vs. Barbara Rossa Waren wie schon auf dem Flammenzauber mein persönlicher Favorit.
Erfrischend anders und besonders innovativ! Das Experiment, Lyrik trifft auf Industrial, angereichert mit einer beeindruckenden Hintergrundanimation, traf mittig. Sehr gut gemacht, die Botschaft kam an.     
In: Nonpop.de, 2004

 

♦ Ulrich Bemmann: "Lichtreigen 7. Altes Gut, Jena"
...Wesentlich interessanter gestaltete sich danach der Auftritt von MERCYDESIGN vs. BARBARA ROSSA. Während der erste Teil des Sets ausschließlich aus Musik aus dem Laptop von Phelix Schneefeld sowie entsprechender Videountermalung durch Barbara Rossa bestand, kam im zweiten Teil der poetische Vortrag des Projektleiters hinzu. Von diesem Moment an kann man das Experiment nur noch als gelungen bezeichnen, ergänzten sich die einzelnen Elemente zu einem beeindruckenden Gesamterlebnis. Die Texte von Herrn Barbara Rossa hatten schon in Heldrungen ihre Wirkung auf mich gezeigt, in Verbindung mit den industriell-psychedelischen Klanglandschaften Mercydesigns und der klaustrophobischen Bilderflut brannten sie sich regelrecht ins Gehirn. Vielleicht liegt es am Alter des Poeten, vielleicht auch an seiner ganz persönlichen Geschichte, das seine Werke fernab der typischen, hohlen Bedeutungsschwere den Zuhörer tatsächlich treffen. Zumindest ging es mir so. Mehr Lyrik von dieser Qualität, die sich mit dem wirklichen Leben statt mit Hirngespinsten von schwarzen Engeln beschäftigt, würde der Szene sicher gut tun...
In: club-debil.com, 2004

 

♦ Ines Binnemann: "Sophie"
...Nach den Kurzgeschichten wurde mir in der Reportage erst bewusst, was für Kurzgeschichten ich eigentlich las. Jetzt verstand ich die Pointen der Geschichten. Für mich war die Reportage "Das Cafe Pille Experiment" der Hauptteil dieses kleinen Buches - und somit letzten Endes auch das, was mir am Interessantesten erschien. Gerald Höfer alias Barbara Rossa gibt darin Einblick in sein langjähriges Schaffen und verdeutlicht, wie schwer es war, in der ehemaligen DDR Kunst unters Volk zu bringen. Es berührt zu lesen, mit wieviel Enthusiasmus er an dieses Projekt ging, ebenso wieviel Zeit und Willen er gebraucht hat, um mit dem aktuellen Projekt "Barbara Rossa" an alte Zeiten anzuknüpfen.
In: Gothic. Magazine for Underground culture. Nr. 46, 2004

 

♦ Evelyn Finger: Was nützt die Freiheit in Gedanken?

Herbst 1989 am berühmten Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig: Man las, man schrieb und fühlte sich schon lange frei. Ein skeptischer Bick zurück.

[...] Die Parteiführung hatte die Waffen gestreckt und sicherte nur noch die äußeren Grenzen. Die nachgelassenen Akten des Instituts, die heute im sächsischen Staatsarchiv lagern, dokumentieren den ungleichmäßigen Verlauf dieser innerbetrieblichen Demokratisierung.

[...]

Die Wahrheit auch über die Literatur der DDR, das zeigt sich hier nochmals exemplarisch, liegt immer dazwischen. Halb hier, halb dort, halb ganz steht als Kapitelüberschrift in der Diplomarbeit des Studenten Jürgen Frühauf vom März 1990. Und die Mappe des anarchistischen Autorenkollektivs Schicker/Höfer/Sydoruk trägt das Motto zwischen mir nichts und dir nichts und enthält das Gedicht Untergang von meinem Balkon aus: "die berge, zwei polizisten, / führn die sonne ab,/ am himmel hängt ihr blutiger schal…" Einfacher ist Literatur nicht zu haben. Natürlich, man konnte sich auch in eine Reportageserie zum Thema Erzgebirgische Volkskunst flüchten oder in einen historischen Roman über den Böhmerwald. Das alles kommt bei den werdenden Diplomschriftstellern des Wendematrikels vor, das Leise und Laute, das Betuliche und das Angriffslustige.

[...]die Welt der Literatur ist eben doch nicht ganz identisch mit der Welt. Letztere hat sich, vom Standpunkt der Dichter aus betrachtet (also im Ganzen und über Ostdeutschland hinaus), seit 1989 nur wenig gebessert. Es kommt also weiterhin darauf an, sie kritisch zu interpretieren.
In: Die Zeit, 18.11.2004

 

♦ Andrea Hellmann: "Düstere Welten"
Düster war`s. Nicht nur der Himmel zog sich über Sondershausen zu. Auch im Lesesaal der Stadt- und Kreisbibliothek konfrontierte Gerald Höfer die Zuhörer mit den dunklen Seiten des Lebens. Vor dreizehn Jahren hatte der ehemalige Sondershäuser seine letzte Lesung in der Kreisstadt gegeben.

Trotzdem fanden sich etliche Leseratten ein, um nach dieser langen Abstinenz seinen neuen Erzählungen gebannt zu lauschen. Gerald Höfer gehört allerdings nicht zu den einfachen Vor-lesern, die ihr Publikum ausschließlich mit Worten beglücken. Mystische Klänge, Trommelwirbel und Gothic-Gesänge untermalten akustisch Texte und Bilder...
Provokation sei keineswegs sein Ziel, obwohl sich einige Zuhörer sicherlich ängstigten. Er müsse auch keinem gefallen. "Ich mache, was ich für richtig halte", versuchte er später die düstere Grundstimmung, die in den meisten seiner Texte und Gedichte vorherrscht, zu erklären...
In: Thüringer Allgemeine, 05.11.2005

 

♦ Ilona Mayer: "Literaturprojekt kämpft mit den Tücken der Technik"
Die etwas andere Lesung sollte es werden, am Freitagabend in der Kleinen Galerie in Hohenstein-Ernstthal. Gerald und Martin Höfer kamen nicht nur mir Büchern, sie hatten auch Computer, Mikrophon, DVD-Player und Beamer im Gepäck. Die nackte und manchmal auch brutale Wahrheit kam auf den Tisch. Er nennt die Schwachstellen beim Namen und redet nicht um den heißen Brei. Ob es Erinnerungen aus seiner Kindheit sind, oder Szenen, wie der brutale Umgang von Jugendlichen miteinander - Höfer erzählt spannend kritisch und ehrlich...
Unterstrichen wurden seine meist düsteren Geschichten von Bildern in Grautönen, die Martin selbst künstlerisch bearbeitet hatte und mittels Laptop und Beamer an die Galeriewand warf...Einige Anregungen erhielt er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, an der er seit Oktober letzten Jahres Medienkunst studiert...
In: Freie Presse, 03.04.2006

 

♦ Claudia Feger: "Individualität trifft Teamwork"
Gerald Höfer und sein audiovisuelles Projekt Barbara Rossa

Wer "Barbara Rossa" nie live erlebt hat und den Namen zum ersten Mal im Veranstaltungsplan des Wave-Gotik-Treffens liest, ist ein wenig irritiert, wird er doch eine Schriftstellerin erwarten. Um so überraschter ist das Publikum, wenn es feststellt, dass es sich bei "Barbara Rossa" um die gelesenen Texte Gerald Höfers handelt, die von seinem Sohn Martin Höfer während des Auftritts auditiv und visuell in Szene gesetzt werden.

Das Pseudonym Barbara Rossa beruht auf der Gründung eines satirischen Zeitschriftenverlages. Da die Autoren anonym bleiben wollten, legte sich jeder einen Aliasnamen zu. "Weil der Ort, aus dem ich stamme, direkt am Kyffhäuser liegt, war die Verballhornung von Barbarossa, einem der missbrauchtesten Namen in der Region, schon eine Satire an sich. Als Martin und ich dann unser Projekt gründeten, reaktivierten wir 1998 den Namen." Ziel war es, eigene Literatur in multimedialer Weise darzustellen.

Gerald Höfer, der literarische Kopf des Projekts, veröffentlicht seit 1985 hauptsächlich Lyrik. Im Jahr 1990 absolvierte er das Leipziger Literaturinstitut mit "sehr gut", worauf er heute noch stolz ist, "auch wenn einem Autoren ein Prädikat nicht weiterhilft". Neben diversen Literaturpreisen in den Jahren 1986 bis 1989 erkannte man ihm im Herbst 1989, in den Wirren der Wende, den letzten Nachwuchslyrikpreis der DDR, das so genannte "J. R. Becher-Diplom" zu.

Der andere Part ist Martin Höfer. Er ist gelernter Mediengestalter für Digital- und Printmedien, insbesondere Mediendesign und erwarb ein Spezialabitur Gestaltung an der Walter Gropius FOS in Erfurt. Derzeit studiert er Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

In der Zwischenzeit liegen von Gerald Höfer zwei Lyrikbände, ein Prosaband, vier Sammelbände mit bekannten Autoren wie etwa Oswald Henke und eine Anthologie mit Lyrik über den Kyffhäuser vor. Die Thematik des Kyffhäusers ist dabei ein sehr wichtiges Themengebiet für den Autor. "Wenn man dort wohnt und den Berg immer vor Augen hat, stellt sich so etwas wie heimatkundliche Verbundenheit her, und wenn sich dann noch einige Mythen über das Provinzielle hinaus um den Berg ranken, wird es doppelt spannend. Es gibt vorchristliche Höhlenheiligtümer, die mit der Barbarossahöhle nichts zu tun und den Weg ins öffentliche Bewusstsein noch nicht gefunden haben. Das macht die Sache für den neugierigen Schreiber interessant. Die Anthologie mit Kyffhäusergedichten der letzten 200 Jahre ist ein Ergebnis der Beschäftigung mit dem Thema."

Großen Wert legt Barbara Rossa auf die audiovisuelle Gestaltung. Die Idee dazu entstand in den 80er Jahren bei Lyrikveranstaltungen. "Mir fiel auf, dass die Veranstalter immer noch ein paar talentierte Schüler der Musikschule dazu bestellten, um für einen anspruchsvollen Rahmen zu sorgen. Irgendwann nervten mich die Flötentrios, weil sie zumeist nicht zu meinen Texten passten, und es gab nur zwei Alternativen: den Veranstaltern zu sagen " Bitte nicht!" oder die Musik selbst zu liefern." Höfer ging deshalb 1990 mit zwei Rockmusikern auf Tour. Das Buchdebüt, ein Lyrik-Foto-Band mit dem Titel "bloß", unterschied sich von herkömmlichen Text-Bild-Bänden dadurch, dass die Texte nicht neben den Fotos standen, sondern Bestandteil der Bilder waren, sie waren sozusagen eins geworden. "Was mich aber immer schon faszinierte, war die Mischung aller Richtungen: Text-Bild-Sound." Nach einer Experimentierphase kamen dann auch weitere interessante Verknüpfungen zustande.

"Meine Auffassung ist, dass in einer vernetzten gleichzeitigen medienbestimmten Gesellschaft auch neue Kunstformen her müssen." Da ein Künstler zumeist nur ein oder zwei Talente besonders gut ausgeprägt hat und nicht gleichzeitig in Bildender Kunst, Film, Musik, Technik, Literatur und Darstellender Kunst Spitze sein kann, sei multimediale Kunst, wie Höfer sie versteht, immer nur als Teamwork denkbar. "Der Widerspruch, der sich daraus ergibt, scheint unauflöslich: die Individualität des einzelnen Künstlers und die Integration ins Team, die Unterordnung unter die Idee."
In: Lingua et opinio - Zeitschrift für Sprache und Kommunikation, 13.06.2006

 

♦ Ingolf Gläser: "Erlesenes Quartett der Schriftsteller"

"Gleich vier Schriftsteller waren diesmal im "TA-Cafe bei Barbarossa" zu Gast. Die Namen und Werke der allesamt in Thüringen lebenden Autoren lockten am Freitagabend viele Literatur-Interessierte ins Hotel "Am Kyffhäuser" in Bad Frankenhausen. Kathrin Groß-Striffler, sie erhielt für ihren Roman "Die Hütte" den Alfred-Döblin-Preis, zog die Anwesenden mit ihrer Erzählung "Mein Haus" in ihren Bann. Gerald Höfer (Pseudonym Barbara Rossa), er lebt in Bendeleben, las Gedichte und die Kurzgeschichte "Die Kassette". Ein Gedicht war, wie er sagte, bösartig, und er bezog es auf die Sparpläne des Kultusministers Jens Goebel im Bereich Kultur sowie der Finanzministerin Birgit Dietzel bei den Lehrern.Mit ihrem neuesten Roman "Planet Novalis" war Gisela Kraft hier in der Region genau richtig, doch mit Blick auf die zur Verfügung stehende Zeit widmete sie sich ihrer Heimat Weimar und las Gedichte. Mit großer Begeisterung wurde auch Landolf Scherzer mit seinem "Grenz-Gänger" aufgenommen. Im Veranstaltungsreigen "TA-Café" in Zusammenarbeit mit dem Frankenhäuser Förderverein der Stadtbibliothek war auch Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee mit den Autoren ins Gespräch zu kommen, am Stand der Buchhandlung Stolze die Bücher zu kaufen und signieren zu lassen. "Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, eine so große Resonanz gibt es nicht so oft bei unseren Lesungen im Rahmen unser Manuskriptwanderung", so Martin Straub, Geschäftsführer des Vereins LeseZeichen, im Gespräch mit dieser Zeitung."
In: Thüringer Allgemeine, 18.09.2006

 

♦ Frank Quilitzsch: "Feld der Ehre und Ährenfelder"

"Literatur im Krieg" ist das Titelthema der dritten Ausgabe des "Palmbaum" im neuen Gewand. Ausgehend vom 200. Gedenken an die Schlacht bei Jena und Auerstedt widmet sich das Thüringer Literaturjournal den Ursachen und Folgen von kriegerischen Auseinandersetzungen in Geschichte und Gegenwart. Den Auftakt gibt Friedrich Schorlemmers Essay "Das Feld der Ehre und die Ährenfelder", in dem der Autor nach der Angemessenheit unseres Umgangs mit dem blutigen Erbe fragt. Krieg ist auch das Thema neuer Prosa von Wolf Zank und Gerald Höfer, von Landolf Scherzer, der sich an die Dresdner Bombennächte erinnert, und Frank Quilitzsch, der den Spuren des Vietnamkriegs im heutigen Hanoi und Saigon nachgeht.
Ferner bietet das ansprechend gestaltete, 208 Seiten starke Journal ein ausführliches Interview mit der Weimar-Preisträgerin Gisela Kraft, eine Einlassung des CDU-Landtagsabgeordneten Peter D. Krause, die den Thüringer Theaterstreit hinterfragt. Texte von Teilnehmern der "Mitteldeutschen Lyriknacht" können ebenso nachgelesen werden wie Werke von Preisträgern des Menantes-Wettbewerbs für erotische Dichtung.
In: Thüringer Landeszeitung, 21.10.2006

 

♦ Katja Schubach: "Statt Hexenfeuer Poesie erleben"
"Jazz illuminiert Lyrik: Theaterhaus Jena ausverkauft"

 

"Manchmal spür ick Lyrik" - damit hat der Berliner Poetry Slammer Michael Ebeling die Stimmung am Mittwochabend bei der Lesung "Jazz illuminiert Lyrik" im ausverkauften Jenaer Theaterhaus auf den Punkt gebracht. Die Lyriker Nancy Hünger, Romina Voigt, Thomas Linke, Jan Röhnert und Gerald Höfer sowie die Portry Slammer Michael Ebeling und Frank Klötgen präsentierten jeweils eine Viertelstunde lang ihre Texte. Visuelle Unterstützung bekamen die Poeten durch Bildprojektionen von Grit Hiersemann und Miklos Palos. Der Musiker Ian Simmons und seine Band "Wise in Time" rundeten das Programm mit melodischen und gleichsam erdigen Jazzklängen ab. "Ziel war es, in Jena eine Plattform für Autoren zu schaffen", sagte Thomas Linke, Organisator der Veranstaltung. "Dass wir eine derartige Resonanz bekommen haben, ist großartig." So erlebte das Publikum statt Hexenfeuer zur Walpurgisnacht ein Sprachfeuer der Extraklasse. [...]
Einer Unaufmerksamkeit der Organisatoren war anschließend zu verdanken, dass die spannungsgeladene Atmosphäre binnen Minuten in sich zusammenbrach. Gerald Höfer, fälschlicherweise als Poetry Slammer angekündigt, las seine politisch düstere Wezel-Transportage "Belphegor". Dieser Text traf das Publikum so unvorbereitet, das sich stilles Erstaunen im Saal verbreitete und der Applaus dem Autor fast verwehrt blieb. "Ich fürchte, ich habe den Zuschauern die Illusion von Lyrik genommen", sagte Gerald Höfer nach der Lesung. [...]
Abschließend kann man den Worten des Organisators Thomas Linke nur zustimmen: "Es ist sehr interessant, wie Lyrik wirken kann, wenn man sie in einem solchen Rahmen inszeniert."
In: Thüringer Landeszeitung, 03.05.2008

 

♦ Katja Schubach: "Zivilisiert aber nicht gerecht"

Gerald Höfer ist ein Kollege Schillers


Die erste intensive Auseinandersetzung mit Schiller hatte er am Institut für Literatur in Leipzig. Während eines Kreativ-Seminars hat er den "Wilhelm Tell" umgeschrieben und vorzeitig enden lassen. "Der Landvoigt Gessner hat in meiner Version Wilhelm Tell den Schuss auf seinen Sohn erlassen.", sagt er. Stattdessen ließ er Gessner und Tell einen Disput aus Sprichwörtern führen. Das Ende des Stückes.
"Heute wäre immer noch finstere Monarchie in der Schweiz. Ich wollte anhand von Schiller zeigen, wie kleine Ereignisse die Welt verändern, wenn sie statt Fiktion Realität wären." Gerald Höfer ist Schriftsteller aus Passion. Er arbeitet in Jena als Marketingleiter einer Softwarefirma und studiert Literatur an der Universität Jena.
Seine eigentliche Schiller-Vorliebe ist der Marquis von Posa aus dem Drama Don Carlos. "Ich meine, dass er in einem Gespräch mit König Philipp sagte: Geben Sie Gedankenfreiheit! Etwas, was ich gern Herrn Schäuble vorschlagen würde. Mit dem Ziel den Terrorismus zu bekämpfen, nähert er sich immer mehr dem Überwachungsstaat. Heute darf man zwar Gedankenfreiheit leben, aber was hilft es, wenn der Staat es mitschneidet?", sagt der 49-jährige. "Gedankenfreiheit ist eine wunderbare Utopie - durch das Wort allein den Herrscher zu einer anderen Handlung zu bringen."
Doch nicht nur an diesem Beispiel zeige sich, dass Schiller heute noch so wahr wie damals ist. "Ich kann nur jedem empfehlen Schillers Novelle "Das Verbrechen aus verlorener Ehre" zu lesen, um die Motive der Menschen zu verstehen, die - wie kürzlich in Winnenden erst geschehen - Amok laufen. Die Hauptfigur wird an den Rand der Gesellschaft getrieben, durch ein Maß an Ungerechtigkeit, welches so hoch ist, dass er zum Mörder wird."

Am Ende versöhnlich

Unter allen Emailletafeln, die in Jena hängen, sei Schillers Tafel ohne Zweifel eine der bedeutendsten. "Schiller war ein radikaler Aufklärer. Aufklären heißt ja immer, mit Daten, Fakten und Nächstenliebe Menschen zu neuer Lebensqualität zu führen. Auch wenn ich die Romantiker wie Fichte und Schlegel sehr schätze, sie haben diesen Ansatz gar nicht", sagt Gerald Höfer. Gerade deshalb sei es verständlich und unverständlich zugleich, wie Schiller heute vermarktet wird. "Schon bei Brecht hieß es, wir ehren ihn, indem wir uns nützen. Schiller hat zehn Jahre eine Gastrolle in Jena gegeben, war trotzdem ein bedeutender Professor", sagt er weiter. Das Tragische an Schiller aus heutiger Sicht sei, dass er einer der bedeutendsten Aufklärer war; die Aufklärung als gesellschaftliches Modell jedoch gescheitert sei. "Mit Nächstenliebe und Belehrung gelingt es nicht, die Welt gerechter zu machen. Vielleicht ein Stück weit zivilisierter aber nicht gerecht."
Nach soviel Schwarzmalerei zeigt sich Gerald Höfer am Ende dennoch versöhnlich: "Ich glaube, wenn Schiller sehen würde, wie sich Jena in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, hätte er es positiv empfunden. Jena hat sich zu einer Stadt entwickelt, in der man sich wohl fühlen kann."
In: Thüringer Landeszeitung, 28.05.2009

 

Peter-Stefan Greiner: "Friedliche Revolution"
"2009 erscheinen nicht wenige Publikationen, doch auch im 20. Jahr des Herbstes 1989 ist dieses Buch etwas Besonderes. Immerhin fanden sich fünfzehn Menschen zusammen, die die "Revolution vor Ort" seinerzeit in ihren verschiedenen Ereignissen, Gruppierungen, Aktivitäten und Motivationen geprägt und miterlebt haben. Sie verfassten nun innerhalb weniger Wochen eine lebendige Beschreibung der "Friedlichen Revolution in Sondershausen", die von ihren Quellen (wie dem Ökumenischen Arbeitskreis oder dem Café Pille) über die Vielfalt der Herbstereignisse bis hin zu den freien Wahlen und den freien Wählern 1990 reicht.
[...]
Zu den meisten Themen gibt es keine Quellen, Akten, Archivschränke, so dass die Einzelbeiträge selbst als wichtige erinnerungsgeschichtliche Arbeiten gelten können. Gerald Höfer, der u.a. über die Anfänge des Neuen Forums schreibt, argumentiert eigenwillig-überzeugend für die Unverzichtbarkeit der Aufarbeitung durch die beteiligten Bürgerrechtler selbst: "Die Anfänge des Neuen Forums in Sondershausen lassen sich nicht an einem Datum festmachen. Einen Gründungstag hat es nicht gegeben. Vielleicht finden Historiker ihn irgendwann heraus. Zeittabellen sind deren Sache."
Die meisten Texte sind mehr als Beschreibungen von Situationen, Ereignissen oder Prozessen - sie ermöglichen dem Leser, etwas mehr über Motivation, Engagement und spätere Lebensläufe der Akteure des friedlichen Umbruchs zu erfahren. [...]
In: Kyffhäuser Nachrichten, 29.10.2009

 

Lavinia Meier-Ewert: "Hier stinkt es nach Roster"
"Die Gedichte – von denen einige auch in der „Thüringer Anthologie“ in unserer Zeitung erschienen sind – werfen melancholische Blicke auf ein Land unter der Last von dem, was war. Buchenwald kommt vor, aber auch das hehre und zuweilen schwere Erbe der Klassiker. „Johann Sebastian Bach pflanzte / Einen irdischen Wald in der ewigen Helligkeit“, dichtet der Eisenacher Pastor Christoph Eisenhuth – derweil sich Andreas Reimann über den „im gips der goethe-wichte“ konservierten Dichter mokiert und die „gartenzwerge, die durch weimar ziehen“. Weimar als Klassikerklischee – und Zuhause: „In deinen Weltbürgermauern“, schreibt Gerald Höfer, „fand ich die Liebste und mich.“ „Thüringen, hier stinkt es nach Roster“, verkünden indes die Wände bei Mirko Wenig. Das Land, sagt Nancy Hünger, „steht ja immer im Verdacht des Provinziellen. Aber es ist ein lebendiges Land mit geselligen Stimmen und einer vielfältigen Dichterkultur.“ In der sich Welt und Provinz, hier und woanders, immer schon begegneten, irgendwie: „Das Ende vom Ende“, heißt es bei Heinz Czechowski, „ist ein schöner Gedanke / der vermutlich auch / in Gotha gedacht wird.“
In: Thüringer Allgemeine - Kultur, 04.06.2015

 

Julia Scorna: "Rundgang"

"Wie wäre ich glücklich, könnte ich sein, wie ihr"
Multimediales Projekt
Rauminstallation mit Videoinstallation „Belphegor 2004“,
raumfüllender Text auf Papier
245 x 400 x 325 cm
2015

Die Installation beruht auf dem Text Belphegor 2004 von Gerald Höfer, dem Mitschnitt einer
Live-Performance von Barbara Rossa und Mercydesign vom Juli 2004. Das Thema Freiheit gipfelt in
einem dramatischen Anti-Kriegs-Bekenntnis. Das Kunstwerk verweist auf Johann Karl Wezels Roman
Belphegor oder die wahrscheinlichste Geschichte unter der Sonne aus dem Jahr 1775, der in den 1950er
Jahren von Arno Schmidt wiederentdeckt wurde.
KÜNSTLER Martin Höfer, geboren 1982 in Sondershausen, schloß 2013 das Studium der Bildenden
Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (Leipzig) mit Diplom und Auszeichnung ab. Ausstellungen
und -beteiligungen u.a. in Leipzig, Dresden, Berlin, New York, Vilnius, Amman, Kairo. Gerald
Höfe, geboren 1960 in Nordhausen, ist ein deutscher Lyriker, Prosaist und Herausgeber. Zusammen
mit seinem Sohn Martin schuf er 1999 das Kunst-Projekt Barbara Rossa, das Bildende Kunst, Literatur,
Musik und Performances vereinen sollte.

In Journal of Culture: Das Glücksprinzip. Eigenheim Galerie und Kunstfest Weimar 2015
(Ausstellingskatalog), April 2016

...wird fortgesetzt.